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Party, Mountains und Beach

Da hab ich mich was getraut. War vorletzte Woche Freitag beim Friseur. Zwecks vereinfachter Völkerverständigung hab ich auch einige Bildchen auf mein Handy geladen (jaaa, auch sowas muss vorbereitet sein, bin ja schließlich Deutsche, die planen…). Inzwischen sind meine neue Frisur und ich auch öfter mal einer Meinung ;)

Und was macht man mit einer neuen Frisur? Richtig, man führt sie aus! Bin also mal wieder hier in den Zug gehüpft und bin ne ganze Stunde lang nach Chatswood gegurkt, wo ich bei Linda mein Nachtlager aufgeschlagen habe. Zwecks Vortrinken haben wir uns dann mal im bottle shop umgeschaut und uns schließlich für no-name Alkopops entschieden. Obwohl auch hier großzügig besteuert, waren die doch noch relativ günstig und wir dachten uns, wenn die doch so verrufen sind, dann lohnt sich das vielleicht auch. Ein paar Stunden später mussten wir feststellen, dass die ihrem Ruf nicht gerecht werden konnten und wir keine 14 mehr sind. Naja, Vortrinken war jedenfalls bei Michael in der WG und wir sind dann auch ganz australisch schon um 11 Uhr mit 2 Taxen (waren so um die 6 Leute) zur cargo bar bzw. cargo lounge. Da standen wir nämlich dank Mareike auf der Gästeliste (hui!). Beziehungen muss man eben haben *gg*. War auch ganz nett da drinne, auch wenn die Musik mal wieder nicht mein Ding war. Immerhin war das drumherum viel besser als das letzte Mal. Auch wenn ich mich gegen Ende doch stark gefragt habe, wer auf die Idee gekommen ist, in einem „nightclub“ (gut, tagsüber ist es eine ganz gewöhnliche, wenn auch noble Bar) Teppich auszulegen! Das Dingen hat sich unter meinen Schuhen angefühlt, als müsste der spätestens am Morgen danach rausgerissen und neu verlegt werden! Will gar nicht wissen, was die jedes Wochenende an Teppichreinigungskosten zahlen!! Na gut, aber Linda und ich haben mal erörtert, dass das vermutlich der Praktikant aus Übersee machen muss ;)

Nee, war aber ganz nett, hab eine Arbeitskollegin von Linda kennengelernt, die eine sehr volle Schottin dabei hatte und auf dem Rückweg im Nachtbus noch zwei Deutsche. Die haben sich erstmal auf deutsch über den Seven Eleven Test ausgelassen und noch ein Mädel nicht ganz so nett kommentiert, die in den Bus kam. Direkt danach dreht der Typ sich zu uns um und fragt uns auf englisch, ob wir denn den Seven Eleven Test kenn würden. Ich noch kurz überlegt, ob ich mal bei englisch bleiben sollte, aber fands dann doch besser, ihn direkt wissen zu lassen, dass wir alles verstanden haben. Hat er mal nich raushängen lassen, ob es ihm peinlich war. Auch gut, wir kennen ja die Natur von Nachtbusbekanntschaften schon aus Deutschland, ne?

Am nächsten Morgen (gut, mittag wars schon…), bin ich dann noch ein bisserl durch die Stadt gelaufen und hab mich endlich getraut, was bei Boost Juice zu kaufen. Berry Crush…. yummy! Ansonsten hab ich mir dann mal nen ruhigen Tag gemacht, schließlich sollte es ja am nächsten Tag rauf in die Berge gehen, Sightseeing, Bushwalking in Katoomba.

Hab also Mareike, Christoph und Michael im Zug getroffen. In Katoomba angekommen sind wir dann gleich auf ein Sub bei Subway rein (da denkt man, die sind total excited, endlich mal in den Blue Mountains zu sein und können’s kaum abwarten, die Three Sisters zu sehen… *lol*).

Danach haben wir uns aber gut gestärkt aufgemacht. Sind zum Echo point gelaufen, dann zu den Three Sisters runter, um dann die great stairway hinunterzuwandern. Das sind 801 Stufen, zumindest laut Schild. Das Nachzählen haben wir uns dann aber mal gespart, das laufen war schon anstrengend genug. Das verwunderliche aber war, dass uns tatsächlich Menschen entgegen gekommen sind!

Nach einer gefühlten Ewigkeit unten angekommen, hat uns ein Schild mitgeteilt, dass man für den Weg nach oben gut 45 Minuten einplanen soll. Christoph hat die ganze Zeit versucht, die Stufen mit denen des Kölner Doms zu vergleichen. Sehr witzig. Wir waren auf jeden Fall mal äußerst froh, dass wir den Weg nicht wieder hochgehen mussten, sondern schön bis zur Scenic World stundenlang (Leute, das waren doch nur 20 Minuten ;) *gg*) durch den Busch gewandert. Von dort haben wir dann die Seilbahn nach oben genommen und sind wieder zurück nach Katoomba gelaufen (auch wenn die anderen da ein wenig zu jammern angefingen und intensivst nach einem Taxi Ausschau hielten…). War ein schöner Tag und wir haben einige lustige Fotos gemacht.

Am Montag bin ich tatsächlich um 4.30 Uhr morgens aufgestanden um mir das EM-Finale anzuschauen. Hat auch nichts gebracht, irgendwie scheint die deutsche Mannschaft meinen Aufwand nicht wirklich gewürdigt zu haben.

Die Woche auf Arbeit war auch sehr interessant. Hatte meine vorletzte playgroup in Blackheath, was ich ganz schön traurig fand. In der class wieder mal festegestellt, dass ich einen kleinen Freund habe.

Muss mal schauen, dass er sich langsam auch mehr mit den anderen Erziehern beschäftigt, nicht, dass er mich zu dolle vermisst, bin ja nicht mehr lange da. Nachmittags hab ich mich dann wieder mit der Evaluation beschäftigt und schicke Diagramme erstellt, die Kathy erstmal vollkommen von den Socken gehauen haben. Musste ihr dann erklären, dass ich sowas im Studium gelernt habe (Gruß an den IMK…), wenn auch mit Analyse-Software und nicht per Hand. Sie war absolut begeistert und will mich auch nicht mehr gehen lassen. Freitag hab ich dann noch die letzten Feinheiten gemacht und dann waren die 144 Fragebögen auch schon ausgewertet und die schicken Diagramme usw. in Kathys Mailbox. Erst da ist mir übrigens aufgefallen, dass ich Kreuztabellen (Sector x Item) erstellt habe! Jaha, da könnt ihr ruhig mal beeindruckt sein!

Dann war die Woche auch schon wieder um und meine Gastmutter, Emma und Matt haben unsere Sachen gepackt und sind übers Wochenende nach Manyana gefahren. Dort sind wir am Strand gewesen (nicht Schwimmen, war ja Winter, wenn auch schön warm tagsüber), haben Matt beim Angeln zugesehen (er hat seaweed gefangen *gg*), Oktopusse geärgert, über die Felsen gewandert usw. Auf dem Hinweg haben wir kurz vorm Haus ein paar riesige Kangaroos im Dunkeln am Strassenrand stehen sehen. Der Rückweg wurde zur Sightseeing Tour, See, Surf Shop, ein lookout point, die Hampden Bridge und ein Pie Shop ;)

Heute war der Anfang der NAIDOC week, das ist die Woche der Aborigenes und wir haben auf der Eröffnungsveranstaltung der Blue Mountains Bastelangebote für Kinder gemacht. Es gab interessante und teils auch erschütternde Geschichten von Aborigenes zu hören, einen Marsch durch Katoomba, ein Bühnenprogramm und leckeres Essen. Auf dem Rückweg hab ich noch eine Gruppe Jugendlicher aus Belgien und dem Saarland getroffen, die für den Weltjugendtag hier sind. Hab mich fast ne Stunde lang mit denen unterhalten. War sehr interessant zu hören,wie sie derzeit untergebracht sind, was sie für ein Programm haben und was sie für Vorstellungen von Australien haben (z.B., dass es in den Häusern wärmer ist als draußen…).

Hm, da ich ja schon mit der Evaluation des Summits fertig bin (was mein Programm für die School Holidays sein sollte), suche ich mir diese Woche mal selber Arbeit. Jeanette hat mir das Program für heute per SMS mitgeteilt, morgen und übermorgen hab ich mir auch teilweise was organisiert und für Freitag hab ich auch ein Angebot (es sei denn, die Alternative wäre ein freier Tag, dann soll ich nicht kommen, sagt Jeanette ;) ). Denk mal, dass ich dann Donnerstag frei mache und mal in die Stadt fahre, Terror bei meiner Orga machen *lol*. Ein bisschen Spass muss sein ;)

Regen, Sonne und Wind

Das Wetter hier is mir immer noch ein Rätsel. Da fällt in einer Woche mal eben der komplette Niederschlag eines Monats, dann sechs Wochen lang gar kein Regen. Jetzt im Juni hat’s wieder angefangen, ne Woche lang komplett durchgeschüttet. Am ersten Tag freuen sich die Aussies nen Ast ab, wegen Dürre und so, aber nach spätestens drei Tagen (und das sind noch nicht mal Bielefelder Quantitäten!) kommt dann in den Nachrichten, dass sie nimmer wissen, wohin mit dem Wasser und die Staudämme das nimmer halten können… Die wissen auch nich, was die wollen ;)

Dafür hatten wir dann aber gestern und heute wieder sommerliches Wetter, ne Menge Sonne, die sich heute aber mit Wind gemischt hat, weshalb ab mittags dann wieder ein Pulli angesagt war (zumindest in den Bergen).

Trotz Regens und der Warnung meiner Gastfamilie und Kollegen, dass es in Bowral nochmal ne Ecke kälter is als hier, hab ich mich Freitag nach der Arbeit auf den Weg gemacht. Am Bahnhof in Hazelbrook klingelt das Telefon, während ich auf den 15 Uhr Zug warte und Ruby is dran. Sie hatte grade mein Projekt durchgelesen, das ich ihr in die Hand gedrückt habe, bevor ich gegangen bin und fand das so toll, dass sie dachte, sie bedankt sich lieber gleich mal. Fand ich sehr niedlich ;) In Penrith bin ich nach etwa einer Stunde Fahrt das erste Mal ausm Zug raus – ein neues Ticket kaufen, meins gilt ja nur bis Rotty Hill und ich hatte morgens vergessen, eins zu kaufen (kann man nämlich immer nur für den Tag machen, an dem man auch fährt). Dann bin ich in den nächsten Zug Richtung Parramatta gehüpft, etwa 30 Minuten Fahrt, dort musste ich dann warten, bis der Zug nach Campbelltown kam, das is auch gut eine Stunde Fahrtzeit bis dahin. Dort angekommen musste ich dann erstmal meinen Zug nach Bowral suchen. Den hatten sie nämlich gut versteckt und nicht ausgeschildert. Wer kann denn ahnen, dass sich am Ende der einen platform noch ein weiterer, kürzerer Bahnsteig hinter einem der Gebäude versteckt? Ich hab’s geahnt (naja, wenn der Fahrplan da rumhängt, kann der Zug ja auch nich weit sein) und ne Minute vor Abfahrt in den Zug geschafft. Eine weitere Stunde später kam ich um 19.33 Uhr in Bowral an. Den Ort spricht man übrigens ganz anders aus, als man ihn schreibt. Was gerade bei meinen Kollegen für Entertainment gesorgt hat, ich hab den Ort am Ende nur noch buchstabiert *gg*

Monique hat mich brav vom Bahnhof abgeholt und das komplette Wochenende durch Bowral und die umliegenden Ortschaften gekarrt. Auch wenn da nich gerade der Bär steppt, hatten wir unseren Spass, haben sämtliche look outs und waterfalls besucht, sind auf Felsen rumgeklettert, durch den Park gecruist, haben eine überfutete Strasse überquert (quasi meine erste 4WD Tour *gg*), das Kricket-Museum verspottet, waren im Kino, haben die Farm gesehen, auf der „Babe“ gedreht wurde und eine große Kartoffel bewundert. Dann war ich noch auf dem Illawara fly tree top walk und hab mich halb wegwehen lassen ;) . Das Wochenende an sich ging natürlich mal wieder viel zu schnell rum, aber ich glaube, ich habe trotzdem so ziemlich alles gesehen, was man sich dort so ansehen kann ;) Vor allem war es sehr schön, Monique mal wieder zu sehen. Das nächste Mal werden wir uns wohl erst wieder in Deutschland sehen, es sei denn, wir treffen uns zufällig nochmal unterwegs in Australien ;) Unter anderem deshalb hab ich auch accidentially on purpose meinen Regenschirm bei ihr im Auto liegen gelassen (nee, lag natürlich nich daran, dass der total krüppelig war und bei Kontakt mit Wasser abfärbt…). Hat sie ein Andenken von mir ;)

Was seither geschah?

Ich habe mir endlich eine etwas größere Speicherkarte für meine Kamera zugelegt. Kann ja nich sein, dass ich die immer schon an einem Tag voll kriege (1 GB is einfach zu wenig). Nen neuen Regenschirm habe ich mir auch geleistet ;)

Ein Angebot für meinen Volunteer- Job is auch angekommen, zusammen mit tausend Formularen zum ausfüllen. „Crowd Marshall Assistant“ is mein Titel und meine Aufgabe: Greeting pilgrims on arrival at major World Youth Day venues, providing directional assistance to pilgrims, checking accreditation at relevant check points and representing Sydney at one of the largest events to come to this city. Auf deutsch: Türsteher. ;) Ich üb auch schon fleißig „Du kommst hier net rein“ und „Da geht’s zum Papst“ zu sagen ;) Weil ich Mittwoch auf Arbeit so wenig zu tun hatte, hab ich den Kram da erstmal ausgedruckt, ausgefüllt und zusammen mit sämtlichen Ausweisen eingescannt und den Kram dann zurückgemailt. So einfach kann das Leben sein ;) Und ich bin trotzdem noch früher nach Hause gegangen.

Aber keine Sorge, ich hab nich zu wenig zu tun. Nächste Woche ist Donnerstag der Early Childhood Summit, auf den ich auch gehe und Freitag der Floortime Workshop. Zum Summit kommen 180 Menschen, die am Ende alle ein Evaluationdingen ausfüllen werden. Und nun ratet mal, wer die Teile alle auswerten darf? Right. Werde also in den School Holidays (mal wieder zwei Wochen am Ende des Terms) genug zu tun haben. Dabei bin ich eine Woche der Ferien gar nicht auf Arbeit, wegen dem Weltjugendtag (WYD). Und wenn ich vom WYD wieder zur Arbeit komme, dann ist auch schon die neue Praktikantin aus Deutschland da. Das is voll das komische Gefühl, dann alles abgeben zu müssen! *willnich*

Gestern abend bin ich nach der Arbeit direkt in die Stadt gefahren. Der Internship-Heino von AIFS hat es nämlich endlich auf die Reihe bekommen, ein Treffen in einem Pub in The Rocks zu organisieren. Außer mir waren noch etwa 7 andere Praktikanten da. Zwei Deutsche, zwei Franzosen, zwei Amis und eine Asiatin. Mit den Amis und der Asiatin hab ich mich leider nicht unterhalten können, weil sie zu weit weg saßen und früh gegangen, bzw. erst spät gekommen sind. Dafür hab ich aber gleich mit einer der beiden deutschen Mädels und mit dem Franzosen Nummern ausgetauscht und ausgemacht, dass wir mal zusammen weggehen. Wenn das alles so hinhaut, wie wir das gestern spontan beschlossen haben, dann werden wir gleich morgen abend in einen Nightclub gehen. Könnte danach dann auch bei dem einen Mädel übernachten, weil sie in der Stadt wohnt. Freu mich ja auch schon voll drauf! Endlich mal wieder weggehen und tanzen und trinken und so (scheiße, ich hör mich an wie einer von diesen fiesen Jugendlichen)! Werde dann mal berichten, wie es war.

Hoch hinaus

Also, mein Flugticket hat nun einen wunderschönen gelben Sticker und ich einen Platz für den Flug Anfang Oktober. Ich war nämlich im Qantas-Office und habe meinen Flug vernünftig umgebucht. Stellt sich heraus, dass ich gar nicht 50€, sondern nur 40$ bezahlen muss, also gerade mal die Hälfte! Und was macht Frau mit dem unverhoft gespartem Geld? Richtig: Schuhe kaufen! Hab ganze zwei Paar, einmal Ballerinas (für die Wintersommerzeit später auf Reisen, obwohl die auch jetzt immer noch angebracht wären) und einmal Sneakers, hier als „Joggers“ verunglimpft. Meine waren nämlich im warsten Sinne des Wortes durchgelatscht, Löcher in den Sohlen. Das passiert, wenn man sich zurückhält und nur ein paar Schuhe (gut, zwei, aber Sportschuhe zählen ja wohl nicht, oder?) für ein halbes Jahr einpackt…

Meine Wochenendgestaltung stand unter dem Motto „hoch hinaus“. Samstag war ich erstmal „Bushwalking“. Dank der großzügigen und recht schwammigen australischen Definition von Busch, ist das nicht besonders schwer. Trotzdem hab ich mich etwa 1,5 Stunden in den Zug gepackt, bin einmal durch Katoomba durch und drüber hinaus bis zum Echo Point gelatscht um mir die Three Sisters anzuschauen.

Habe mehreren Busladungen asiatischen Touristen (die scheint es nur in der Mehrzahl zu geben) und einigen nervigen deutschen (die scheint es nur mit diesem Attribut zu geben) Subjekten in etwa meinem Alter, die mir dauernd vor die Linse liefen, bis ich die mal auf deutsch aus meinem Bild geschickt habe (das zieht, weil man sich ja sonst so unbeobachtet fühlt und erstmal geschockt ist, dass fremde Menschen mit einem deutsch reden *hah*).

Dann bin ich nochmal gut zwei Stunden vom Echo Point aus den Cliff Walk entlang bis zu den Katoomba Cascades und Katoomba Falls gelaufen. „Walk“ hört sich nach zivilisiertem Wanderweg an, aber isses nich wirklich. Es sei denn, man versteht darunter einen teilweise unebenen Trampelpfad, durchsetzt von kleinen Rinnsälen, die sich ihren Weg ins Tal bahnen und riesigen Schlammpfützen, die über die gesamte Breite des Weges reichen.

Ich sag euch, das war echt toll! Teilweise fühlt man sich wie im Dschungel und dann dieser tolle Ausblick! Besonders auf den Fotos erkennt man den Schleier, bzw. Dunst der ätherischen Öle, der über den Eukalyptuswäldern liegt. Da ich ja die ganzen Geschichten von verschwundenen Touris gehört habe, bin ich ganz brav wieder aus dem Busch aufgetaucht und nach Katoomba zurückgelaufen, bevor es dunkel wurde.

Zuhause war ich aber erst, als es schon stockdunkel war (das ist es hier ja inzwischen schon ab sechs, schließlich ist es ja Winter). Und wenn ich stockdunkel sage, dann mein ich auch stockdunkel. Irgendwie scheint es mir hier auch anders dunkel zu sein, als in Deutschland. Die Nächte sind schwarz und zwar so schwarz, als hätte man das schönste Schwarz aus dem Farbkasten nochmal mit Schwarz gemischt, damit es noch dunkler wird. Das schöne daran ist, dass man die Sterne sehr deutlich sehen kann, besonders wenn man sich ein wenig von den Strassenlampen entfernt, was besonders in den Vororten nicht so schwierig ist, da meist eh nur eine Strassenseite beleuchtet ist, wenn überhaupt. Meine Gastfamilie empfing mich mit der Feststellung, dass sie noch eine halbe Stunde gewartet hätten und dann mal auf meinem Handy angerufen hätten, um zu schauen, ob ich schon auf dem Rückweg bin und nicht etwa im Busch verloren gegangen bin. Das ist wirklich alles andere als schwer, denn die Berge sind komplett mit Eukalyptus überzogen und selbst wenn man irgendwo einen Punkt erklimmt, der einem einen Überblick verschafft, hat man da nich viel von, denn es sieht fast überall gleich aus.

Und wenn man sich nicht gerade in der Nähe des Great Western Highways befindet, der im übrigen teilweise gerade mal die Ausmaße einer Landstraße hat, stößt man mit großer Wahrscheinlichkeit auch nicht auf menschliche Siedlungen. Kein Wunder also, dass es in den Anfängen der Besiedelung dieses Kontinents durch die Briten (gut, auf plattem Land verläuft man sich eben nicht ganz so einfach) ewig gedauert hat, bis mal wer erfolgreich einen Weg über die Berge drüber zur anderen Seite gefunden hat. Einige Expeditionen sind zuvor gescheitert und frustriert wieder zurückgekehrt (wenn sie denn wieder zurückgefunden haben). Das erklärt dann auch, dass man sich bei der Polizei melden und dort eine Route und einen Zeitpunkt der Rückkehr hinterlegen muss, wenn man vorhat, größere Touren zu machen.

Sonntag ging’s dann in der „zivilisierten“ Welt hoch hinaus: Nicole und ich haben endlich unser Vorhaben in die Tat umgesetzt und sind auf die Harbour Bridge geklettert. Zunächst einmal muss man ein Formular ausfüllen und unterschreiben, dass man gesundheitlich in der Lage ist, auf die Brücke zu klettern und einen „Pusten“ oder eher Zählen, also einen Alkoholtest bestehen. Dann stellt man sich im nächsten Raum auf einen weißen Punkt, macht einen Kreis mit den anderen Teilnehmern der Gruppe und stellt sich kurz einander vor, während der Guide die Bridge Climb Klamotten zusammensucht und austeilt. In einer Kabine muss man sich dann von sämtlichem Schmuck, Metallteilen und Klamotten (bis auf Unterwäsche und T-Shirt) befreien und in das wahrschinlich hässlichste Kleidungsstück in ganz Australien steigen: Ein grau-blauer Overall und darüber aus uns unerfindlichen Gründen eine schwarze Gummiregenhose. Warum wir die anziehen mussten, sollte uns sich an diesem Tag nicht mehr offenbaren, denn es war und blieb trocken und windstill mit strahlendem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen. Sämtliche Sachen, derer man sich zuvor entledigt hatte, mussten nun in ein Schließfach gesperrt werden und dann ging’s durch den Sicherheitscheck, ein Metalldetektor, von dem ich gleich mal aussortiert wurde, weil das Teil meinen BügelBH entdeckte und gleich mal wild zu piepsen anfing… Dann bekamen wir nach und nach unsere Ausrüstung aufgeladen. Als erstes einen Gurt, den man um die Taille festzurren musste, daran wurde dann eine Leine mit dem schweren Metallteil, das einen später mit der Sicherheitsleine verbinden sollte, befestigt. Schließlich noch eine Mütze, die natürlich auch an Ösen am Anzug in Schulterhöhe eingehakt wurde, sowie Strapse für Brillen, wenn nötig, ein Sack mit einer Fleecejacke drin wurde hinten am Gurt festgeklippt und jetzt kommt’s: Ein Stofftaschentuch zum in den Ärmel stopfen mit Gummiarmband dran! Danach darf man dann auf eine kleine Probebrücke klettern um schonmal ein Gefühl zu bekommen, wie es da draußen so aussieht. Natürlich muss man sich dabei auch schon einhaken, nicht, dass man auf die Idee kommt, über das Geländer zu hüpfen! Dann endlich, endlich bekamen wir auch unsere langersehnten High-Tech-Headsets verpasst. Das Funkgerät kommt hinten in die Gurttasche und man lässt sich vom Hintermann verkabeln. Die Kopfhörer sind keine normalen zum in oder auf die Ohren stecken, sondern James Bond mäßig zum vor die Ohren klemmen, so dass es auf den Wangenknochen aufliegt. Das Dingen vibriert nämlich und überträgt so den Ton von den Wangenknochen ins Ohr. Nachdem Nicole und ich unsere obligatorischen Actionfilm-Funksprüche losgelassen hatten (ein wenig enttäuscht zwar, weil nur der Guide ein Mikrofon an seinem Headset hat), eröffnet uns der Guide die Tür und die Nachricht, dass wir in unseren Strampelanzügen nun ein Stück durch die Öffentlichkeit bis zum eigentlichen Aufgang zum Brückenbogen gehen müssen. Wenn wer doof guckt, dann sollten wir nur einfach das Star Trek Zeichen machen und alles sei okay ;)

Endlich auf der Brücke ging es zuerst über Planken unterhalb der Fahrbahn Richtung Brückenbogen, teilweise konnte man auch durch den Boden durchsehen, musste sich ducken um nicht voll gegen Metallstreben zu brettern und an anderen Stellen über welche drübersteigen. Hoch auf den Brückenbogen gelangt man über Metallleitern, die immer nur einer gleichzeitig hochklettern darf (ja, da stehen tatsächlich leute bei, die das kontrollieren). So klettert man fröhlich zwischen den Fahrbahnen hoch (und auf der anderen Seite später zwischen den Bahngleisen wieder runter) und gelangt schließlich auf den Brückenbogen. Der Brückenbogen ist gar nicht so steil wie vermutet und ziemlich komfortabel. Es gibt Stufen und ein Geländer auf beiden Seiten. Je höher man kommt, desto mehr sieht man von der Umgebung. Auf der einen Seite kann man über Sydney hinweg bis zum Meer und auf der anderen bis zu den Blue Mountains sehen. Wir hatten super Wetter, strahlend blauer Himmel, Sonnenschein und kein bisschen Wind. Man hat auch jede Menge Zeit und macht immer wieder einen Stop auf dem Weg nach oben um die Aussicht zu genießen. Oben angekommen überquert man die Brücke an ihrem höchsten Punkt und klettert dann auf der anderen Seite wieder hinunter.

Zwischendurch werden mehrere Fotos gemacht, die man hinterher für teuer Geld kaufen kann und der Guide unterhält sich neben seinen Kommentaren über Sydney und was man da gerade so sehen kann auch schonmal mit jedem einzelnd. Nicole und ich haben ihm dann erzählt, was wir hier machen und er guckt mich verwundert an und fragt, ob ich schon länger hier bin, weil man wohl kaum nen Akzent raushört. Langsam muss ich das wohl akzeptieren, bisher hab ich ja immer dran gezweifelt, dass mein englischer Akzent so englisch ist, aber wenn das immer mehr Leute sagen, muss ich das wohl glauben ;) Auf dem Abstieg haben wir beiden Mädels unserem Guide und einem der Treppenaufpasser noch beigebracht, wie man „Löwenbräu“ richtig ausspricht, man muss ja was für die Völkerverständigung tun ;)

Nach etwa 3 Stunden war der ganze Spass dann auch schon vorbei, aber mit Sicherheit jeden Cent wert! Zurück im Bridge Climb Center konnten wir uns dann wieder des Strampelanzugs entledigen, in unsere eigenen Sachen hüpfen und den Anzug „gorgeous Adam“ in den Arm drücken. Zumindest bei ihm haben wir mit Sicherheit einen bleibenden Eindruck hinterlassen, right, Nicole? *gg*

Den Abend haben wir dann noch schön in nach einem Lunch und einem Blitzbesuch im Museum (10 Minuten vor Feierabend) am Darling Harbour ausklingen lassen.


Kleine Anekdoten

Jane: "We should do something before you go. Maybe go out for lunch or dinner. Or we should have drinks and go out. I haven't seen you drinking!" Ich: "You don't wanna see that, believe me ;)" Jane: "What would you like to do?" Ich: "Stay here?!" Jane: "Oh yeah! Could you arrange that?"

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