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Hoch hinaus

Also, mein Flugticket hat nun einen wunderschönen gelben Sticker und ich einen Platz für den Flug Anfang Oktober. Ich war nämlich im Qantas-Office und habe meinen Flug vernünftig umgebucht. Stellt sich heraus, dass ich gar nicht 50€, sondern nur 40$ bezahlen muss, also gerade mal die Hälfte! Und was macht Frau mit dem unverhoft gespartem Geld? Richtig: Schuhe kaufen! Hab ganze zwei Paar, einmal Ballerinas (für die Wintersommerzeit später auf Reisen, obwohl die auch jetzt immer noch angebracht wären) und einmal Sneakers, hier als „Joggers“ verunglimpft. Meine waren nämlich im warsten Sinne des Wortes durchgelatscht, Löcher in den Sohlen. Das passiert, wenn man sich zurückhält und nur ein paar Schuhe (gut, zwei, aber Sportschuhe zählen ja wohl nicht, oder?) für ein halbes Jahr einpackt…

Meine Wochenendgestaltung stand unter dem Motto „hoch hinaus“. Samstag war ich erstmal „Bushwalking“. Dank der großzügigen und recht schwammigen australischen Definition von Busch, ist das nicht besonders schwer. Trotzdem hab ich mich etwa 1,5 Stunden in den Zug gepackt, bin einmal durch Katoomba durch und drüber hinaus bis zum Echo Point gelatscht um mir die Three Sisters anzuschauen.

Habe mehreren Busladungen asiatischen Touristen (die scheint es nur in der Mehrzahl zu geben) und einigen nervigen deutschen (die scheint es nur mit diesem Attribut zu geben) Subjekten in etwa meinem Alter, die mir dauernd vor die Linse liefen, bis ich die mal auf deutsch aus meinem Bild geschickt habe (das zieht, weil man sich ja sonst so unbeobachtet fühlt und erstmal geschockt ist, dass fremde Menschen mit einem deutsch reden *hah*).

Dann bin ich nochmal gut zwei Stunden vom Echo Point aus den Cliff Walk entlang bis zu den Katoomba Cascades und Katoomba Falls gelaufen. „Walk“ hört sich nach zivilisiertem Wanderweg an, aber isses nich wirklich. Es sei denn, man versteht darunter einen teilweise unebenen Trampelpfad, durchsetzt von kleinen Rinnsälen, die sich ihren Weg ins Tal bahnen und riesigen Schlammpfützen, die über die gesamte Breite des Weges reichen.

Ich sag euch, das war echt toll! Teilweise fühlt man sich wie im Dschungel und dann dieser tolle Ausblick! Besonders auf den Fotos erkennt man den Schleier, bzw. Dunst der ätherischen Öle, der über den Eukalyptuswäldern liegt. Da ich ja die ganzen Geschichten von verschwundenen Touris gehört habe, bin ich ganz brav wieder aus dem Busch aufgetaucht und nach Katoomba zurückgelaufen, bevor es dunkel wurde.

Zuhause war ich aber erst, als es schon stockdunkel war (das ist es hier ja inzwischen schon ab sechs, schließlich ist es ja Winter). Und wenn ich stockdunkel sage, dann mein ich auch stockdunkel. Irgendwie scheint es mir hier auch anders dunkel zu sein, als in Deutschland. Die Nächte sind schwarz und zwar so schwarz, als hätte man das schönste Schwarz aus dem Farbkasten nochmal mit Schwarz gemischt, damit es noch dunkler wird. Das schöne daran ist, dass man die Sterne sehr deutlich sehen kann, besonders wenn man sich ein wenig von den Strassenlampen entfernt, was besonders in den Vororten nicht so schwierig ist, da meist eh nur eine Strassenseite beleuchtet ist, wenn überhaupt. Meine Gastfamilie empfing mich mit der Feststellung, dass sie noch eine halbe Stunde gewartet hätten und dann mal auf meinem Handy angerufen hätten, um zu schauen, ob ich schon auf dem Rückweg bin und nicht etwa im Busch verloren gegangen bin. Das ist wirklich alles andere als schwer, denn die Berge sind komplett mit Eukalyptus überzogen und selbst wenn man irgendwo einen Punkt erklimmt, der einem einen Überblick verschafft, hat man da nich viel von, denn es sieht fast überall gleich aus.

Und wenn man sich nicht gerade in der Nähe des Great Western Highways befindet, der im übrigen teilweise gerade mal die Ausmaße einer Landstraße hat, stößt man mit großer Wahrscheinlichkeit auch nicht auf menschliche Siedlungen. Kein Wunder also, dass es in den Anfängen der Besiedelung dieses Kontinents durch die Briten (gut, auf plattem Land verläuft man sich eben nicht ganz so einfach) ewig gedauert hat, bis mal wer erfolgreich einen Weg über die Berge drüber zur anderen Seite gefunden hat. Einige Expeditionen sind zuvor gescheitert und frustriert wieder zurückgekehrt (wenn sie denn wieder zurückgefunden haben). Das erklärt dann auch, dass man sich bei der Polizei melden und dort eine Route und einen Zeitpunkt der Rückkehr hinterlegen muss, wenn man vorhat, größere Touren zu machen.

Sonntag ging’s dann in der „zivilisierten“ Welt hoch hinaus: Nicole und ich haben endlich unser Vorhaben in die Tat umgesetzt und sind auf die Harbour Bridge geklettert. Zunächst einmal muss man ein Formular ausfüllen und unterschreiben, dass man gesundheitlich in der Lage ist, auf die Brücke zu klettern und einen „Pusten“ oder eher Zählen, also einen Alkoholtest bestehen. Dann stellt man sich im nächsten Raum auf einen weißen Punkt, macht einen Kreis mit den anderen Teilnehmern der Gruppe und stellt sich kurz einander vor, während der Guide die Bridge Climb Klamotten zusammensucht und austeilt. In einer Kabine muss man sich dann von sämtlichem Schmuck, Metallteilen und Klamotten (bis auf Unterwäsche und T-Shirt) befreien und in das wahrschinlich hässlichste Kleidungsstück in ganz Australien steigen: Ein grau-blauer Overall und darüber aus uns unerfindlichen Gründen eine schwarze Gummiregenhose. Warum wir die anziehen mussten, sollte uns sich an diesem Tag nicht mehr offenbaren, denn es war und blieb trocken und windstill mit strahlendem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen. Sämtliche Sachen, derer man sich zuvor entledigt hatte, mussten nun in ein Schließfach gesperrt werden und dann ging’s durch den Sicherheitscheck, ein Metalldetektor, von dem ich gleich mal aussortiert wurde, weil das Teil meinen BügelBH entdeckte und gleich mal wild zu piepsen anfing… Dann bekamen wir nach und nach unsere Ausrüstung aufgeladen. Als erstes einen Gurt, den man um die Taille festzurren musste, daran wurde dann eine Leine mit dem schweren Metallteil, das einen später mit der Sicherheitsleine verbinden sollte, befestigt. Schließlich noch eine Mütze, die natürlich auch an Ösen am Anzug in Schulterhöhe eingehakt wurde, sowie Strapse für Brillen, wenn nötig, ein Sack mit einer Fleecejacke drin wurde hinten am Gurt festgeklippt und jetzt kommt’s: Ein Stofftaschentuch zum in den Ärmel stopfen mit Gummiarmband dran! Danach darf man dann auf eine kleine Probebrücke klettern um schonmal ein Gefühl zu bekommen, wie es da draußen so aussieht. Natürlich muss man sich dabei auch schon einhaken, nicht, dass man auf die Idee kommt, über das Geländer zu hüpfen! Dann endlich, endlich bekamen wir auch unsere langersehnten High-Tech-Headsets verpasst. Das Funkgerät kommt hinten in die Gurttasche und man lässt sich vom Hintermann verkabeln. Die Kopfhörer sind keine normalen zum in oder auf die Ohren stecken, sondern James Bond mäßig zum vor die Ohren klemmen, so dass es auf den Wangenknochen aufliegt. Das Dingen vibriert nämlich und überträgt so den Ton von den Wangenknochen ins Ohr. Nachdem Nicole und ich unsere obligatorischen Actionfilm-Funksprüche losgelassen hatten (ein wenig enttäuscht zwar, weil nur der Guide ein Mikrofon an seinem Headset hat), eröffnet uns der Guide die Tür und die Nachricht, dass wir in unseren Strampelanzügen nun ein Stück durch die Öffentlichkeit bis zum eigentlichen Aufgang zum Brückenbogen gehen müssen. Wenn wer doof guckt, dann sollten wir nur einfach das Star Trek Zeichen machen und alles sei okay ;)

Endlich auf der Brücke ging es zuerst über Planken unterhalb der Fahrbahn Richtung Brückenbogen, teilweise konnte man auch durch den Boden durchsehen, musste sich ducken um nicht voll gegen Metallstreben zu brettern und an anderen Stellen über welche drübersteigen. Hoch auf den Brückenbogen gelangt man über Metallleitern, die immer nur einer gleichzeitig hochklettern darf (ja, da stehen tatsächlich leute bei, die das kontrollieren). So klettert man fröhlich zwischen den Fahrbahnen hoch (und auf der anderen Seite später zwischen den Bahngleisen wieder runter) und gelangt schließlich auf den Brückenbogen. Der Brückenbogen ist gar nicht so steil wie vermutet und ziemlich komfortabel. Es gibt Stufen und ein Geländer auf beiden Seiten. Je höher man kommt, desto mehr sieht man von der Umgebung. Auf der einen Seite kann man über Sydney hinweg bis zum Meer und auf der anderen bis zu den Blue Mountains sehen. Wir hatten super Wetter, strahlend blauer Himmel, Sonnenschein und kein bisschen Wind. Man hat auch jede Menge Zeit und macht immer wieder einen Stop auf dem Weg nach oben um die Aussicht zu genießen. Oben angekommen überquert man die Brücke an ihrem höchsten Punkt und klettert dann auf der anderen Seite wieder hinunter.

Zwischendurch werden mehrere Fotos gemacht, die man hinterher für teuer Geld kaufen kann und der Guide unterhält sich neben seinen Kommentaren über Sydney und was man da gerade so sehen kann auch schonmal mit jedem einzelnd. Nicole und ich haben ihm dann erzählt, was wir hier machen und er guckt mich verwundert an und fragt, ob ich schon länger hier bin, weil man wohl kaum nen Akzent raushört. Langsam muss ich das wohl akzeptieren, bisher hab ich ja immer dran gezweifelt, dass mein englischer Akzent so englisch ist, aber wenn das immer mehr Leute sagen, muss ich das wohl glauben ;) Auf dem Abstieg haben wir beiden Mädels unserem Guide und einem der Treppenaufpasser noch beigebracht, wie man „Löwenbräu“ richtig ausspricht, man muss ja was für die Völkerverständigung tun ;)

Nach etwa 3 Stunden war der ganze Spass dann auch schon vorbei, aber mit Sicherheit jeden Cent wert! Zurück im Bridge Climb Center konnten wir uns dann wieder des Strampelanzugs entledigen, in unsere eigenen Sachen hüpfen und den Anzug „gorgeous Adam“ in den Arm drücken. Zumindest bei ihm haben wir mit Sicherheit einen bleibenden Eindruck hinterlassen, right, Nicole? *gg*

Den Abend haben wir dann noch schön in nach einem Lunch und einem Blitzbesuch im Museum (10 Minuten vor Feierabend) am Darling Harbour ausklingen lassen.

Exciting News

Ich habe gestern unglaublich lange der Telefonwarteschleifenmusik von Qantas lauschen dürfen. Und die ist akustisch gesehen qualitativ nicht gerade hochwertig, sondern entspricht etwa dem, was man mit dem Autoradio empfangen kann, wenn man sich auf der Autobahn Bielefeld nähert. Wer das schonmal gemacht hat, weiß, dass man (zumindest mit einem Auto älteren Jahrgangs und dem entsprechenden Autoradio) kurz vor Bielefeld eine Art Funkloch passiert. Nach und nach verabschiedet sich ein Sender nach dem anderen und sogar die Lokalsender werden vom Rauschen geschluckt. Das könnte natürlich auch an der relativen Existenz Bielefelds liegen, aber das überlasse ich dann mal lieber den Verschwörungstheoretikern. Wie dem auch sei, animiert einen dieses Musikgerausche eher dazu aufzulegen. Ich konnte jedoch dem Verlangen widerstehen, das Telefon an die Wand zu hauen und auf dem Hörer rumzuspringen, bis das Gedudel, durchzogen von Rauschen und Informationen über Qantas, die kein Mensch wissen will, endlich aufhört. Geduldig wie ich bin, habe ich gewartet, bis ich tatsächlich eine menschliche Stimme, wider erwarten mit australischen Akzent, am anderen Ende der Leitung wahrnahm. Nach 15 Minuten und einer unglaublichen pfadfinderischen Leistung meinerseits (hab tatsächlich alle Angaben gefunden, obwohl die Ortsbeschreibungen vom anderen Ende nicht gerade hilfreich waren, da dem jungen Mann anscheinend eine andere Ticketversion vorlag als mir), hat der Qantas-Mensch es doch glatt geschafft, mir einen Platz zu reservieren, allerdings müsste ich dann nochmal in ein Qantas-Büro, dort 50€ zahlen und mein Ticket ändern lassen, da ich ja ein Papierticket besitze. Wann ich das mache, ist aber egal, hauptsache, es passiert vor dem Flug (sehr logisch). Also steht es jetzt fest, ich trete meine Heimreise zwei Wochen später an. Damit habe ich exakt neun Wochen Zeit um mir die unendlichen Weiten Australiens anzutun. Danach starte starte ich dann am 5. Oktober um 16.55 Uhr in Sydney, lande – nach einem Stopover in Singapur – am nächsten Tag um 6 Uhr in Frankfurt und bekomme obendrein noch ganze 8 Stunden geschenkt. Na, wer kommt mich abholen? ;)

Die andere, noch viel aufregendere Nachricht ist diese: Und zwar hat Ruby mir gestern erzählt, dass sie einen Behaviour Management Kurs für Eltern anbieten, die ihre Kinder nicht in den Griff kriegen. Und zwar wird das ganze so ablaufen, dass sich die Gruppe über zehn Wochen einmal wöchentlich trifft. Die Eltern sind zunächst in einem Raum, von dem aus sie durch einen Ein-Weg-Spiegel beobachten können, was im anderen Raum abgeht. In dem anderen Raum sind ihre Kinder mit je einem Betreuer pro Kind, sodass eine Eins-zu-Eins-Situation entsteht. Die Betreuer werden dann jeweils zwei Behaviour Management Strategien anwenden, die den Eltern im anderen Raum von zwei Psychologen erklärt werden. Im zweiten Schritt sind die Eltern an der Reihe, diese Strategien auszuprobieren und werden dabei gefilmt, damit das Ganze anschließend nochmal ausgewertet werden kann. Dann gehen die Familien nach Hause und üben die Strategien hoffentlich in der Woche zwischen den Sitzungen. Das Programm ist eigentlich für schwererziehbare Kinder und Jugendliche entwickelt worden und die Familien brauchen nichts für die Teilnahme zu bezahlen. Die Kinder, die in der Gruppe sein werden, sind z.B. ein autistisches Kind, das zu aggressivem Verhalten neigt, hochintelligente Kinder, die wissen, wie sie ihre Eltern geschickt manipulieren können und Kinder, die zu Hause regelrecht austicken und sich so in ihre „Tantrums“ reinsteigern, bis sie sich schließlich übergeben usw. Und jetzt kommt’s: Ich soll einer der Betreuer sein! Natürlich bekomme ich vorher ein Training, wie alle anderen Betreuer auch, damit wir auch weiß was wir da vormachen sollen *gg* Hui, das ist unglaublich spannend! Eigentlich sollte heute dazu ein Meeting stattfinden, allerdings wurde das heute morgen gecancelt, weil es in der Klinik, in der es stattfinden sollte wohl einen großen Notfall gab. Wenn das Programm aber tatsächlich in den nächsten zwei, drei Wochen anlaufen soll, dann werde ich auch noch bei allen 10 Sitzungen dabei sein! Bin schon ein bisschen aufgeregt!

Hui und dann hab ich seit ein paar Minuten noch eine aufregende Neuigkeit: Ich werde am Sonntag zusammen mit Nicole die Harbour Bridge raufkraxeln! Hach, wie ich mich da drauf freue!

Stop Over in Singapore

So, jetzt sind wir gerade in Singapur gelandet und aus dem Flugzeug geschmissen worden. Hier sind’s zwar nur 24,5 grad, aber es ist megaschwuel. Der Flughafen is ziemlich luxurioes, inklusive kaktusgarten auf dem dach. linse vom fotoapparat war sofort beschlagen. Ziemlich krass. Flug war angenehm, wenn auch mit seltsamen Mitfliegern, aber davon spaeter. In 30 Minuten geht’s weiter nach Sydney. So ganz angekommen is das in meinem kleinen Koepfchen immer noch nicht… wenn das mal keinen Kulturschock gibt!

Gruess euch alle ganz lieb und huepf noch ein bisserl rum, gleich muss ich ja wieder stundenlang stillsitzen!


Kleine Anekdoten

Jane: "We should do something before you go. Maybe go out for lunch or dinner. Or we should have drinks and go out. I haven't seen you drinking!" Ich: "You don't wanna see that, believe me ;)" Jane: "What would you like to do?" Ich: "Stay here?!" Jane: "Oh yeah! Could you arrange that?"

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