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Zahnarzt und Streik

Leider lassen sich diese beiden Worte nicht sinnvoll in einem Satz unterbringen. Zumindest nicht in einem Satz, in dem sich beide Worte aufeinander beziehen würden. Daher musste ich heute satte 90 Minuten auf dem Stuhl Platz nehmen, dessen Anblick alleine mich schon in Panik versetzt. Ja, es gibt noch mehr Situationen außer nachts, wenn ich schlafe, in denen ich still bin und man schon Hinschauen muss um sicher zu gehen, dass ich da bin. Leider ist hier Zähne zusammenbeißen nicht angebracht.

Dennoch muss ich sagen, hatte ich mich relativ gut im Griff. Mein Zahnarzt fragte mich sogar am Ende, ob ich (na eigentlich war’s der Ärzteplural „wir“) nicht mehr so viel Angst hätte. Todesangst würde ich es vielleicht nicht mehr nennen, aber ich hab jeden einzelnen Muskel in meinem Körper verkrampft, meine Hände zitterten und ich habe zwanghaft versucht an was schönes, sprich Australien zu denken (ja trotz der melancholischen bzw. traurigen (Pasta vs. Nudeln) Posts der letzten Tage). Jedenfalls verfügt mein Zahnarzt über soviel High-Tech, dass ich mich frage, ob es zu jedem Teil einen extra Lehrgang gibt nur um zu lernen, wie man den Kram bedient. Witzigerweise beruhigt mich das enorm, schließlich glaube ich so, der Mann weiß was er tut und bohrt nich auf gut Glück munter drauf los und ignoriert sämtliche Schmerzensschreie. Die Zahnärztin meiner Kindheit hat sich keinen Deut darum geschert, wozu auch, die fand es wohl schon unglaublich fortschrittlich und wahrscheinlich auch ziemlich verweichlicht, mit einem elektrischen Bohrer zu arbeiten statt mit Hammer und Meißel. Aber was soll man auch anderes erwarten von jemandem, der im vorigen Jahrhundert an der Uni Zagreb Zahnmedizin studiert hat…

Leider hat er mir am Ende noch unterbreitet, was er da noch so vor hat, wenn ich wieder zurück bin. Spontan sind mir etwa 182923237284732364 Dinge eingefallen, die mehr Spass machen. Darunter unter anderem mein Fallbeispiel, eine unangekündigte Klausur in Pädagogischer Psychologie, Verletzungen beider Sprunggelenke (gleichzeitig) und jeden Morgen zwischen fünf und sechs aufstehen um eine Stunde zur Arbeit zu fahren. Es wäre sogar spaßiger, für jede Woche Praktikum einen eigenen BaföG-Antrag ausfüllen zu müssen. Na zur Not bleibe ich einfach in Australien *gg*

Eine Sache, die vielleicht nicht unbedingt mehr Spass machen würde, hat mir mein Papa vor Augen geführt, als ich nach Hause kam: Bahnstreik am Montag. Ich bin voll dagegen! Wenn die das machen, dann schnapp ich mir die streikenden Bahnmenschen, spanne sie eigenhändig vor den Karren und werde sie unter Peitschenhieben zwingen, mich nach Frankfurt zu ziehen. So geht’s ja nun nicht. Wenn dann auch noch die Typen an den Gepäckbändern am Flughafen streiken, dann darf der Pilot gerne höchstpersönlich meinen Koffer ins Flugzeug tragen, ist ja eh nur einer und bei dem Limit von 20 Kilo doch auch durchaus machbar. Ich hab halt keine Lust in Deutschland zu bleiben.


Viele letzte Male

Wann hast du das letzte Mal etwas zum ersten Mal gemacht?

Diesen Satz habe ich vermutlich das erste und letzte Mal in einer Kettenmail gelesen. Die Zeit der ersten Male ist noch nicht angebrochen, das dauert noch ganze 11 Tage. Im Moment fallen mir eher die letzten Male, oder mit weniger Dramatik und etwas mehr Realismus, die vorerst letzten Male ins Auge.

Ein paar davon habe ich auch schon hinter mich gebracht und gestern abend ist die Abschiedsstimmung dann auch bei mir aufgekommen. Ganz unvermutet war sie plötzlich da. Nach einem langen, anstrengenden und ziemlich vollgepackten Tag hat es mich überfallen. Wurde ja auch langsam mal Zeit, nicht, dass mir erst im Flugzeug auffällt, dass ich tatsächlich nach Australien fliege!

Heute habe ich das letzte Mal auf meine beiden Frösche aufgepasst. Die beiden waren superlieb und wir haben ganz viel gekuschelt. Ist werd die zwei auf jeden Fall sehr vermissen und hoffe, es geht ihnen gut bei der neuen Tagesmutter. War auch nicht so leicht, sich von so einer lieben Familie zu verabschieden, aber wir waren alle sehr „tapfer, keine Geheule, sondern eher rumgealbere. Wollten mir weismachen, Sydney wäre überschwemmt, da brauch ich gar nicht erst hinfliegen *gg*. Ich musste versprechen, mich nicht von Haien fressen zu lassen und Mails zu schreiben. Zum Abschied bekam ich die Simpsons-DVD, die die Kinder mir erst überließen, nachdem sie den Beweis hatten, dass es nicht ihre ist (sicher ist sicher) und dazu Wein und Pralinen.

Ein weiteres letztes Mal fällt mir etwas leichter: Dies ist die letzte Nacht in meiner Wohnung. Meine Nacnhbarn haben gestern Nacht nochmal dafür gesorgt, dass ich das Studentenwohnheim mit Sicherheit nicht vermissen werde… Bis eben habe ich noch geputzt und geschrubbt. Morgen muss ich nur noch den Müll rausbringen, meine restlichen Sachen packen, die Wohnung abgeben und dann geht’s erstmal zu Julia zur Vorbereitung auf die Party und noch mehr Abschiede. Ich hab schon in den letzten beiden Tagen so viel zu Julia gebracht, für die Party und was ich mit nach Hause nehme, dass sie bereits den Eindruck bekam, ich wolle nun bei ihr einziehen. Keine Panik Julchen, Übermorgen bin ich weg! Ich räum auch vorher auf ;)

Komisches Gefühl, zu wissen, dass ich bald Bielefeld für so lange Zeit verlasse, vor allem, wenn man bedenkt, dass mir vor 3,5 Jahren zum Schreien zu Mute war bei dem Gedanken, die nächsten 5 Jahre hier zu verbringen. Und damit sind keinesfalls Freudenschreie gemeint! Wie sich Meinungen doch im Laufe der Zeit ändern. Mit Ostwestfalen muss man sich halt erst langsam anfreunden…

Faszination Camping

Vor wenigen Stunden habe ich mich nun auch von den mir letzten gebliebenen Zeichen moderner Zivilisation verabschieden müssen. Eingetütet gegen eventuelle Feuchtigkeit hat mein Wasserkocher gemeinsam mit meinem Toaster und diversen anderen praktischen Errungenschaften der Menschheit, wie Topf, Geschirr, Besteck, Tasse usw. eine Pappkarton-WG in Judiths Keller gegründet.

Ohne die beiden ist es ziemlich leer hier und ich muss sagen, so langsam komm ich mir vor wie eine Mischung aus Höhlenmensch und Camper. Letzteres, weil Bettdecke und Kissen schon vor 10 Tagen umgezogen sind und ich nun allabendlich vor einer Entschiedung stehe: zippen oder offen lassen. Ich sag euch, so ein Schlafsack ist eine laute Angelegenheit, raschelt bei jeder Bewegung. Wer sich das wohl wieder ausgedacht hat… Muss wer mit einem tiefen Schlaf gewesen sein, bei dem Lärm, den das Dingen verursacht!

Zusammen mit dem Weckerpiepen oder dem Morgengrauen, je nachdem, wer das Rennen gewinnt, erwacht dann auch der Höhlenmensch in mir. Gut, waschen und kämmen ist noch drin, aber genau wie unsere Vorfahren muss ich zur Nahrungssuche das Haus verlassen, es gibt zwar eine Feuerstelle hier, aber kein passendes Equipment mehr, also auch keinen Grund, Vorräte zu sammeln. Ein Hoch auf den Jagdinstinkt!

Is schon komisch zu sehen, wie die Wohnung so langsam leer und leerer wird. Immerhin habe ich hier 7 Semester lang gewohnt. Und plötzlich muss ich heizen… Leere Wohnungen kühlen anscheinend schneller aus, oder es ist die emotionale Kälte, die weiße Wände auf mich abstrahlen.

Fernseher und Radio haben mich auch bereits vor einiger Zeit verlassen, aber immerhin haben sie ein Andenken zurückgelassen: die Fernbedienungen. Ziemlich nutzlose Geräte, wenn es nichts fernzubedienen gibt, bzw. wenn die Ferne einfach zu groß ist. Gut, würde mir jetzt auch wenig bringen, wenn ich mein 200 km entfernt stehendes Radio anstellen könnte, so laut wird es leider nicht, dass man es bis hierher hören könnte. Und plötzlich ist der Laptop das einzige Informations- und Unterhaltungsmedium. Aber bietet immernoch Ablenkung genug um all die Dinge nicht zu tun, die ich noch bis zur Abreise erledigen sollte, allen voran das Fallbeispiel, was längst schon fertig sein gewollt hätte (soll is ja erst Ende März). Liegt wohl daran, dass mich das nicht an der Ausreise hindern kann.

Morgen wird es ernst (wie oft hab ich das schon gesagt, bzw. gehört?), da reich ich meinen Antrag auf ein Urlaubssemster ein und geb meine Bescheinigung fürs BaföG zum Unterschreiben ab. Mal sehen, ob ich was kriege, so in 4-6 Monaten…

Was das ernst werden angeht…hm…was soll ich dazu sagen? Ich bin eigentlich noch ziemlich ruhig, das Ganze fühlt sich noch ziemlich weit weg an, obwohl ich gestern das pre-departure-whatever von der Agentur bekommen habe. Inhalt: eine Tasche mit Orga-Aufdruck (schön ist irgendwie was anderes…quietscheentengelb, weiß, extremer Plastik“geruch“), ein T-shirt mit Orga-Aufdruck („passt gut“ meinte mein Patenkind, musste es allerdings zwecks Atmung wieder ausziehen), Unterlagen, in denen nochmal das steht, was ich schon mindestens 3mal geschickt bekommen habe und das wichtigste: die Tickets! Gefreut hab ich mich, so dolle, dass mein Patenkind erst mal alles inspizieren musste, bevor sie sich an ihre Hausaufgaben setzen konnte.

Die ersten Abschiede habe ich auch schon hinter mir, aber irgendwie kommt mir auch das noch ziemlich unwirklich vor. Mal sehen, ob mich die Party am Freitag auf den Boden der Tatsachen holen kann. Immerhin sitze ich in 14 Tagen um diese Zeit im Flugzeug und habe vermutlich auch schon den Tankstop in Singapur hinter mir. Trotzdem hab ich mehr so das Gefühl, ich hab noch mindestens vier Monate Zeit bevor es losgeht, also keinen Grund zur Panik oder gar zur Eile…


Kleine Anekdoten

Jane: "We should do something before you go. Maybe go out for lunch or dinner. Or we should have drinks and go out. I haven't seen you drinking!" Ich: "You don't wanna see that, believe me ;)" Jane: "What would you like to do?" Ich: "Stay here?!" Jane: "Oh yeah! Could you arrange that?"

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