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Der Juni


Bevor der Monat um ist, muss ich ja doch noch mal schnell meiner Pflicht nachkommen und berichten, was hier so passiert ist.

Ich war tatsächlich vor zwei Wochen das erste Mal so richtig abends weg in Sydney. Da wir ja bei Linda vortrinken wollten, bin ich Samstag noch schnell in die Mall um mir Alkohol zu kaufen. Das ist hier ein bisserl komplizierter als in Deutschland, denn der steht hier nicht einfach so im Supermarkt rum. Woolworths hat zum Beispiel eine extra Abteilung, komplett abgetrennt vom Rest des Ladens, in der es dann nur Alkohol gibt. Alles viel viel teurer als gewohnt, ich werd ich mich jedenfalls nicht mehr über deutsche Preise beschweren! Dann musste ich noch meine ID, also meinen Führerschein zeigen, weil ich wohl nicht alt genug aussah (hier liegt die Altersgrenze bei 18 Jahren!) und dann wurde mir die Flasche Wein in einer braunen Papiertüte überreicht, ganz so, wie das auch in den USA üblich ist, weil man die Flaschen ja nicht in der Öffentlichkeit sehen soll. Dabei weiß jeder ganz genau, was sich so in braunen, flaschenförmigen Papiertüten versteckt… Jedenfalls kam ich mir fast vor wie ein Verbrecher, als wenn ich was unrechtes tun würde. Also Wein und Tüte mal ganz schnell in meine Tasche gesteckt… Gegen 8 bin ich dann in Chatswood angekommen und nach dem Wein und einigem hin und her sind wir dann im Darling Harbour gelandet und in einen „nightclub“ gegangen (wie genau, das ist eine andere Geschichte, die ich jetzt mal nicht weiter ausführen werde).
Die Musik war mal so gar nicht mein Geschmack und das Publikum ziemlich jung und voll und spärlich bekleidet. Also auch nicht so mein Ding. Naja, wir haben’s immerhin bis gegen 3 dort ausgehalten und sind dann mit nem Taxi zurück. 3 Uhr ist für australische Verhältnisse übrigens schon ziemlich lange. Hier taucht man anscheinend spätestens um 11 im nightclub auf und zwischen 2 und 3 geht’s schon wieder nach Hause. Als Deutsche sind wir das etwas anders gewohnt und waren dementsprechend verblüfft. Wir hatten zwar vorher davon gehört, konnten es aber dennoch erst glauben, als wir es dann erlebt hatten.

Am nächsten Tag hab ich mich dann das letzte Mal mit Nicole in Sydney getroffen, weil sie ja letztes Wochenende mit Monique nach Brisbane geflogen ist. Wir waren im Kino und haben uns „what happened in Vegas“ angeschaut. Film war recht lustig, Abschied von Nicole ein wenig traurig. Da stand ich dann abends am Bahnhof und mir wurde schlagartig bewusst, dass ich mich ab sofort selber beschäftigen muss. Seltsame Sache.

Aber das hatte sich auch ganz schnell erledigt, denn schon in der Woche hab ich übers Studi-VZ ein paar Leute kennengelernt, die ich dann gleich am nächsten Sonntag getroffen habe. War echt ein schöner Tag, wir haben dann im Darling Harbour noch zufällig drei weitere Jungs aus Deutschland getroffen, weil die neben uns sassen und sich irgendwann mal ins Gespräch eingeklinkt haben. Wir waren dann noch in der cargobar was trinken.

Auf Arbeit war alles soweit okay. Fands nur ein bisschen schade, dass meine Kollegin doch den Floortime Workshop cancellen musste, weil sie mit ihrem Papierkram hinterhing und im Büro arbeiten musste. Deswegen konnte ich auch nicht hingehen. Da sie mit ihrem Papierkram beschäftigt war, konnte ich meinen Praktikumsbericht weiterschreiben. Is ja schonmal was, das ich bereits angefangen habe. Bezweifle aber, dass ich den hier noch zu Ende bringen werde. Viel interessanter fand ich dagegen das „stick insect“, das wir zu Besuch hatten.

Am 19.06. war dann ja der Early Childhood Summit. 180 Teilnehmer! Zuerst hab ich am Empfang mitgeholfen und Namensschildchen, showbags ausgeteilt und das Platzsystem erklärt. Dann bin ich selbst zum Teilnehmer mutiert. War ganz interessant. Hab mich mit einigen Leuten unterhalten, die andere Sachen machen, als Connect und wurde von mehreren Leuten für ne Engländerin gehalten und einmal sogar für ne Irin (wo auch immer der irische Akzent herkommen soll….).

Nach dem Summit bin ich noch in Katoomba geblieben, weil dort abends ein Poetry Slam stattfinden sollte.

Leider haben die später angefangen als angekündigt, daher konnte ich nur 6 performances sehen und die haben mich nicht wirklich vom Hocker gehauen. Kann auch einfach daran liegen, dass 2 Minuten für eine performance einfach viel zu kurz sind.

Am nächsten Tag auf Arbeit (playgroup-freitag) empfängt mich meine Kollegin mit der Nachricht, dass ich die playgroup heute alleine schmeißen kann, weil sie nur schnell was im Büro macht und dann nach Hause geht. Super! Mal gut, dass die Eltern in dieser speziellen playgroup sich mit ihren Kindern beschäftigen und ich eigentlich nicht wirklich was machen musste. Aber es gab auch keine Wutanfälle zu verzeichnen und das, obwohl wir alle nicht rausgehen konnten, weil es regnete! wenn das mal nicht für sich spricht ;)

Nen Tag später war dann schon wieder Wochenende und Winter Magic Festival in Katoomba. Bin da morgens raufgefahren und hab mir die Parade angeschaut. Außerdem gab es noch hier und da kleinere Events und ne Art Markt, also ne Menge Buden auf der Hauptstrasse, die vollgepackt mit Menschen war.

Hab ne Kollegin im Chor singen sehen, einen Vater aus der playgroup vom Vortag Gitarre spielen sehen (der dann gleich meinte, „du kennst meinen Sohn!“ und „er scheint dich zu mögen, wir sollten ein Foto von dir machen!“) und hab meine Chefin kurz zufällig getroffen und ihre jüngste Tochter und ihren deutschen Mann aus Bielefeld kennengelernt (Wir haben uns aber beide geweigert deutsch miteinander zu reden, als meine Chefin meinte, „ihr könnt ja deutsch beide miteinander deutsch reden“. Wir sind ja schießlich nicht in Australien um deutsch reden ;) ). Weil es superkalt war, bin ich am frühen Nachmittag wieder zurück gefahren.

Die letzte Woche war das Wetter dann wieder besser. Zwar immernoch recht kühl, aber strahlendblauer Himmel! Die Woche im Praktikum war recht erfolgreich. Hab ein richtig tolles Erlebnis in der ECI-Class gehabt, nachdem ich es nun wirklich richtig traurig finde, dass ich nicht mehr lange da bin.

Außerdem konnte ich wieder was zu den Highlights beisteuern und eine Mutter aus der montags-playgroup meinte, ich soll ja Bescheid sagen, wenn meine letzte playgroup ist, weil ihr Sohn mich sicher furchtbar vermissen wird und wir uns ja richtig verabschieden müssen ;) Hab dann auch gleich von dem Kleinen eine Lektion über gefährliche Tiere in Australien bekommen, auf die ich aufpassen muss, wenn ich reise.

Ansonsten hab ich mich furchtbar gefreut, mit Natalie skypen zu können und fand es mindestens genauso traurig, dass sie wieder zurück in Deutschland ist und ich nicht da bin um sie sehen zu können.

So, das solls dann erstmal für heute gewesen sein. Dieses Wochenende werde ich dann mal schildern, wenn es vorbei ist. Das lohnt sich.


Kleine Anekdoten

Jane: "We should do something before you go. Maybe go out for lunch or dinner. Or we should have drinks and go out. I haven't seen you drinking!" Ich: "You don't wanna see that, believe me ;)" Jane: "What would you like to do?" Ich: "Stay here?!" Jane: "Oh yeah! Could you arrange that?"

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